Leistenbruch und Wasserbruch beim Kind

Was ist eigentlich ein Leistenbruch?

Anders als beim Erwachsenen wird der Leistenbruch beim Kind nicht durch eine Bindegewebsschwäche oder zu schweres Heben ausgelöst, sondern ist eine Lückenbildung der normalerweise geschlossenen Bauchdecke im Bereich der Leiste (indirekte angeborene Hernie).

Der Wasserbruch (Hydrocele) hat den gleichen Ursprung. Dieser zeigt sich beim Jungen in Form eines wechselnd vergrößerten Hodensackes, der leicht bläulich aussehen kann; beim Mädchen als sogenannte Nuck'sche Cyste (sehr selten). So bleibt eine in der Embryonalzeit entstandene Lücke bestehen, anstatt sich zu verschließen. Beim Mädchen verlaufen hier im Leistenkanal das Mutterband, beim Jungen Samenstrang und Blutgefäße.

Beim Leistenbruch kann es somit zur Verlagerung von Bauchinhalt in den Leistenkanal kommen. Dies verursacht die dann von außen sichtbare Vorwölbung. Begünstigende Faktoren sind z.B. Frühgeburtlichkeit und Hodenhochstand, sodass Leistenbruch, Hydrocele und Hodenhochstand oftmals vergesellschaftet sind.

Insgesamt ist der Leistenbruch bei Kleinkindern eine häufige Störung. In 50% der Fälle zeigt sich die Erkrankung schon im ersten Lebensjahr. Sie tritt bei Mädchen 4 Mal seltener auf als beim Jungen; zu mehr als 60 % auf der rechten Seite.

Wie bemerke ich einen Leistenbruch?

Wie oben beschrieben, ist eine weiche, vorübergehende Schwellung in der Leistengegend, die durch Pressen, Lachen oder Husten grösser wird, ein Hinweis auf eine Leistenhernie. Meist ist die Schwellung schmerzlos und lässt sich leicht wegdrücken. Eine Ultraschalluntersuchung kann ergänzend durchgeführt werden. Sollten Schmerzen, Unruhe, Übelkeit oder Erbrechen auftreten und die Schwellung hart und unbeweglich sein, muss von einer sogenannten Inkarzeration (Einklemmung) ausgegangen werden. Dies ist ein Notfall und Sie müssen sich mit Ihrem Kind sofort in der Klinik vorstellen!

Warum und wann muss der Bruchsack mit einer Operation verschlossen werden?

Der seit Geburt offen gebliebene Bruchsack wird sich nicht von selbst schließen, sondern immer größer werden. Dann können Bauchorgane (z.B. Darm/Eierstock) vorfallen und einklemmen, deshalb ist ein operativer Verschluss einer Leistenhernie immer notwendig. Bei einer Hydrocele (Wasserbruch) wird generell bis zum Ende des 1. Lebensjahr abgewartet.

Eine Operation wird je nach Verlauf innerhalb der nächsten 4–6 Wochen nach Diagnosestellung angeraten. Sollte der Leistenbruch vorher schwer reponibel gewesen sein, wird eine Operation innerhalb von 48 Stunden empfohlen.

Wie behandelt man einen Leistenbruch?

Die sogenannte Herniotomie wird bei Kindern in unserem Hause ambulant (Ihr Kind kann am OP Tag bereits wieder entlassen werden) in einer kurzen Vollnarkose durchgeführt. Zusätzlich wird während der Operation eine lokale Betäubung im OP-Bereich durchgeführt, vorallem um die postoperativen Schmerzen zu lindern. Durch einen kleinen Hautschnitt in der Leiste wird dann der Bruchsack im Leistenkanal unter der Muskulatur entfernt und dieser mit Nähten verschlossen. Die OP-Zeit beträgt ca. 30 Minuten. Die Beobachtungsdauer nach der Operation beträgt in der Regel 2 Stunden, bei Kindern unter 1 Jahr 4–6 Stunden.

Die Operation wird „offen“ durchgeführt, d.h. nicht laparoskopisch. Bei einer laparoskopischen Operation würden mehr Narben zurückbleiben, die Operationszeit wäre länger und die Rezidivrate doppelt so hoch. Die Einlage von Kunststoffnetzen wird bei Kindern auch nicht durchgeführt.

Bei der Hydrocele wird zusätzlich noch das Wasser aus dem Hodensack von dem gleichen Schnitt aus entfernt und die Hydrocelenwand „gefenstert“.

Welche Komplikationen können auftreten?

Keine Operation ist ganz ohne Risiko. Komplikationen bei kindlichen Leistenbruchoperationen liegen in unserer Klinik unter 1 %. Die wichtigsten Komplikationen wären ein Bluterguss im OP-Gebiet oder eine Entzündung. Eine Verletzung des Samenstranges oder ein Wiederauftreten des Bruches sind extrem selten.

Was sollte nach der OP beachtet werden?

Die Kinder erholen sich nach dem Eingriff in der Regel erstaunlich schnell. Dennoch sollte für 3–4 Tage eine häusliche Betreuung erfolgen und „Sport“ für 2 Wochen vermieden werden.

Erschienen in den Kieler Nachrichten - GESUNDHEITSWESEN - erstes Quartal 2017

 

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